Soziale Teilhabe im Lebensverlauf junger Erwachsener
Eine Langzeitstudie

Über die Studie


Im Mittelpunkt der CLS-Studie stehen junge Menschen, die sich im Übergang aus der Wohngruppe oder Pflegefamilie ins Erwachsenenalter befinden. Angelegt als Langzeitstudie, werden wiederholt 2.000 Jugendliche und junge Erwachsene befragt. Die Studienteilnehmer*innen sind per Zufall ausgewählte junge Erwachsene. Sie leben im Zeitraum der Erstbefragung in der Heimerziehung, einer anderen betreuten Wohnform (§ 34 SGB VIII) oder bei einer Pflegefamilie (§ 33 SGB VIII) und sind zwischen 16 und 18 Jahre alt.

Die CLS-Studie ist eine Langzeitstudie über die Lebensverläufe von jungen Menschen, die zeitweilig in Wohngruppen und Pflegefamilien gelebt haben. Sie läuft über mehrere Jahre und beginnt, wenn die Jugendlichen noch in den Wohngruppen oder Pflegefamilien leben. Jedes Jahr werden die Studienteilnehmer*innen dazu interviewt, wie es ihnen in verschiedenen Bereichen ihres Lebens geht. Das Ziel der Studie ist es, Daten zum ›Leaving Care‹ − zum Verlassen der stationären Kinder- und Jugendhilfe − zu erheben. Die langjährige Befragung der jungen Menschen selbst dient dazu, die Situation dieser Jugendlichen und jungen Erwachsenen sichtbarer zu machen. Der Schwerpunkt liegt auf der sozialen Teilhabe von Care Leaver*innen in der Gesellschaft.

Die Teilhabe von Care Leaver*innen wird in verschiedenen Lebensbereichen untersucht. Zum Beispiel geht es um die Freizeitgestaltung und um die schulische und berufliche Orientierung. Im Übergang ins Erwachsenenleben bilden junge Menschen neue Gemeinschaften und soziale Netzwerke. Viele gründen auch einen eigenen Haushalt, eine Wohngemeinschaft oder eine eigene Familie. Darüber hinaus gehören zur Teilhabe die gesundheitliche und medizinische Versorgung. Manche jungen Erwachsenen erhalten zudem staatliche Unterstützung, zum Beispiel Grundsicherung, zur Finanzierung der ersten Wohnung oder für die Ausbildung.

Mit der CLS-Studie wollen wir untersuchen, vor welchen Herausforderungen Jugendliche in diesen unterschiedlichen Bereichen stehen, wenn sie aus Wohngruppen oder Pflegefamilien ausziehen. Wir möchten sichtbar machen, was im Lebensverlauf von Care Leaver*innen geschieht, was ihnen wichtig ist und wo Schwierigkeiten aufkommen. So möchten wir mit der CLS-Studie dazu beitragen, die Teilhabe von Care Leaver*innen zu verstehen.

Warum die CLS-Studie?


Der Werdegang junger Erwachsener, die zuvor als Jugendliche in stationären Unterbringungen oder Pflegefamilien gelebt haben, ist in Deutschland weitgehend unerforscht. Der vom BMFSFJ geförderte Datenreport »Sozialstatistische Grundlage sozialer Teilhabe von Care Leaver*innen in Deutschland« (2019) wurde vorbereitend zur CLS-Studie erarbeitet. Er hat gezeigt, dass die Lebensverläufe dieser jungen Menschen in bisherigen Studien nicht ausreichend abgebildet werden. Mit der CLS-Studie wird eine wichtige Forschungslücke geschlossen.

Junge Menschen in einer Kinder- und Jugendhilfe – für die die Gesellschaft besondere staatliche Verantwortung übernimmt – müssen nachhaltig gefördert werden. Dafür wird mehr Wissen benötigt über die Bedingungen der Teilhabe auf ihrem zukünftigen Lebensweg. Hierzu fehlen bislang verlässliche Daten. Als Langzeituntersuchung, die Aussagen über die soziale Teilhabe junger Menschen nach Beendigung der Jugendhilfe macht, schließt die CLS-Studie diese Lücke. Sie kann so für eine Weiterentwicklung der Kinder- und Jugendhilfe anregen.

Was sind die Inhalte der CLS-Studie?


Die Langzeitstudie hat das Ziel, die Lebensverläufe der jungen Erwachsenen nachzuzeichnen. Dies geschieht anhand unterschiedlicher Themen. Es werden Fragen aufgeworfen wie zum Beispiel: Wie leben, lernen und arbeiten junge Menschen nach der Jugendhilfe? Wie gestalten sie ihren Alltag? Was sind ihre Ziele und Wünsche?

Mit der Studie wird in den Blick genommen, wie Care Leaver*innen den Übergang aus der Kinder- und Jugendhilfe in ein von dieser Hilfe unabhängiges Leben gestalten. Mehr Wissen darüber ist nötig, mit welchen Ressourcen diese jungen Menschen ausgestattet sind und welchen Herausforderungen sie im Laufe der Zeit gegenüberstehen. Uns interessiert auch, wie sich Belastungen auf die Lebensverläufe und die Perspektiven junger Erwachsener auswirken. Die Ergebnisse der Studie können Hinweise geben, wie Care Leaver*innen besser unterstützt werden können. Daraus kann auch abgeleitet werden, welche Veränderungen in der Kinder- und Jugendhilfe und in anderen Unterstützungssystemen notwendig sind.

Wer nimmt an der CLS-Studie teil?


Die CLS-Studie ist als Wiederholungsbefragung angelegt. Zu Studienbeginn werden jeweils 1.000 junge Menschen in stationären Einrichtungen und Pflegefamilien im Alter von 16 bis 18 Jahren persönlich befragt. Die Befragungen werden in sieben jährlich stattfindenden sogenannten Befragungswellen fortgeführt, um die Lebensverläufe der dann bis zu 25 Jahre alten jungen Erwachsenen nachzeichnen zu können.

Die Auswahl der Studienteilnehmer*innen (n=2000) erfolgt mittels einer Stichprobenziehung. Hierfür werden junge Menschen per Zufallsprinzip über Träger, Einrichtungen, Wohngruppen und Pflegekinderdienste kontaktiert. Für die Durchführung der Studie ist die Unterstützung durch stationäre Einrichtungen, Jugendämter, Pflegekinderdienste, Pflegeeltern und Dachverbände von besonderer Bedeutung. Die Studienteilnehmer*innen können über ihre Teilnahme selbst und freiwillig entscheiden und diese jederzeit beenden. Die jungen Menschen bleiben für die CLS-Studie durchgängig anonym. Die Ergebnisse der Befragung werden nur so veröffentlicht, dass die Anonymität der Studienteilnehmer*innen gesichert ist.

Wie läuft die CLS-Studie ab?


Wir haben die Langzeitstudie mit Vorarbeiten im Sommer 2021 begonnen. Zwischenergebnisse können voraussichtlich bereits 2023/2024 präsentiert werden. Zum Ende der Studie im Jahr 2030 werden dann Daten zu den langzeitlichen Lebensverläufen der befragten Gruppe vorliegen. Damit werden Aussagen über Unterschiede zwischen den Verläufen möglich und somit auch über die Gestaltung von Strukturen des Überganges. In einer ersten Förderphase wird die Langzeitstudie vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) zunächst bis Ende 2024 gefördert.